Projekt Streetfighter Teil 1

Filed under: Eigene E-Bike Projekte — Dienstag, 25. August 2009

Heute möchte ich das erste Projekt des Elektrofahrrad-einfach Teams vorstellen. Ein gesetzeskonformes Pedelec mit seinen 250W und 25 km/h war uns einfach zu wenig. Für den Alltag ist diese Fahrleistung sicherlich durchaus ausreichend und auf befahrenen Radwegen sollte man eh nicht viel schneller unterwegs sein, doch wir wollten einfach testen, zu welchen Leistungen ein Fahrrad mit Elektromotor fähig ist.

Ein 1.000W Goldenmotor Kit

Beim Motor fiel die Wahl auf ein Modell von Goldenmotor, dass mit 48V und 1.000W Leistung angegeben ist. Der zugehörige Controller von Goldenmotor liefert einen Maximalstrom von 50A. Wir entschieden uns für einen Hinterradmotor, da dies der üblichen Fahrradcharakteristik am nähesten kommt. Schliesslich wird beim Fahradfahren in der Regel auch nur das Hinterrad angetrieben. Außerdem war uns die Gefahr zu hoch, dass das starke Drehmoment die Ausfallenden der Federgabel beschädigt. Die Energie liefert uns ein LiFePO4 Akku mit 48V und 10Ah.

Als umzubauendes Fahrrad wählten wir ein bereits vorhandenes Mountainbike mit einem 40cm Hardtailrahmen aus Aluminium und typischer Dirtbikegeometrie, Marzocchi Dirt Jumper Federgabel mit 100mm Federweg und Shimano Deore Schaltung. Vorne wird mit einer mechanischen Shimano Scheibenbremse mit 160mm Scheibe gebremst und hinten ist eine Magura HS33 für die Verzögerung zuständig.

Wohin mit dem Akku?

Nun, nachdem wir alle Teile für den Umbau beisammen hatten, begannen wir, uns Gedanken über die Realisierung des Umbaus zu machen. Der Optik halber sollten Akku und Controller im Rahmendreieck untergebracht werden. Doch da rächt sich unsere lasche Vorbereitung, denn gleich beim ersten Hinhalten an den Rahmen Zwecks Positionierung mussten wir feststellen, dass der Rahmen zu klein ist, um den großen Akku im Rahmendreieck unterzubringen.

Was nun? Eine Möglichkeit wäre es gewesen, einen Gepäckträger zu montieren und den Akku dort zu befestigen. Da ich persönlich aber kein Freund von Gepäckträgern an Mountainbikes bin, musste eine andere Lösung her.

Der einzige noch verbleibende Ort am Fahrrad, an dem theoretisch noch genug Platz für den großen Akku ist, ist das Oberrohr. Von der Gewichtsverteilung her gesehen, ist der hohe Schwerpunkt zwar alles andere als optimal, doch weitere Alternativen gibt es nicht mehr. Männer würden auf das erhöhte Verletzungsrisiko im Falle eines unfreiwilligen Abstiegs hinweisen, doch da der Rahmen sehr klein ist und ein stark abfallendes Oberrohr hat, ist selbst bei montiertem Akku noch genug Beinfreiheit vorhanden.

Erste Versuche, den Akku mit Kabelbindern am Oberrohr zu fixieren, um möglichst schnell eine rste Testfahrt zu absolvieren, scheitern. Der Akku ist einfach zu schwer und dreht sich, trotz der Kabelbinder immer nach unten. Es ist nicht möglich zu fahren, ohne das Risiko einzugehen, dass der Akku bei der Fahrt runterfällt.

Wir suchen also eine Möglichkeit, den Akku auf dem Oberrohr rutschfest zu fixieren. Zwei Flanken an den Seiten, die ein verrutschen zur Seite hin verhindern, wären eine gute Lösung. Wir entscheiden uns für U-Profile. Ein 40mm U-Profil wird mit der Öffnung zum Boden zeigend auf das Oberrohr gepresst, um eine ebene Fläche zu bilden für ein 80mm U-Profil, das dem Akku als Halterung dient.

Das U-Profil wurde auf dem Oberrohr befestigt. Der Akku klemmt fest in der Leiste.

Das 80mm U-Profil wurde auf dem Oberrohr befestigt. Der Akku klemmt fest in der Leiste.

Zuerst wird ein 40mm U-Profil auf das Oberrohr geklemmt, um dem breiteren 80mm U-Profil eine ebene Auflagefläche zu bieten.

Zuerst wird ein 40mm U-Profil auf das Oberrohr geklemmt, um dem breiteren 80mm U-Profil eine ebene Auflagefläche zu bieten.

Die erste Testfahrt

Nachdem nun der Akku fest am Rahmen befestigt ist, steht einer ersten Probefahrt eigentlich nichts mehr im Wege. Also raus auf die Straße, draufsetzen, den Gasgriff drehen und…ein kurzes Ruckeln und das Hinterrad fliegt aus den Ausfallenden! Verflucht, zu viel Drehmoment! Die Standard Ausfallenden können die Power des Elektromotors nicht halten. Eine Drehmomentstütze muss her und das schnell. Also nichts wie los zum nächsten OBI und ein paar Platten Flachstahl gekauft.

Flachstahlzurecht geschnitten (möglichst lang, für einen wirkungsvollen Hebel) und an der Kettenstrebe befestigt

Flachstahl zurecht geschnitten (möglichst lang, für einen wirkungsvollen Hebel) und an der Kettenstrebe befestigt

Schnell zurecht geschnitten, möglichst lang, damit man einen langen Hebel hat, wie bei der guten alten Rücktrittbremse. Dann noch eine passende 10mm Öffnung für die Achse mit dem Dremel eingefräst und das ganze dann nochmal für die andere Seite. Wir brauchen ja zwei Drehmomentstützen. Danach alles quick  & dirty an die Kettenstreben geschraubt und auf gehts zum zweiten Versuch.

Die erste echte Testfahrt

Also nochmal mit dem Fahrrad auf die Straße, draufsetzen, Gasgriff drehen und…es fährt! Wow, fast lautlos zieht das Bike los. Der Tacho zeigt 15 km/h…20 km/h…30 km/h und es geht noch weiter. 40 km/h…45 km/h…der Fahrtwind treibt mir Tränen in die Augen, aber das ist egal…50 km/h…ich trete wir ein verrückter in die Pedale und siehe da: 54 km/h Topspeed.

Ein wahnsinns Gefühl, man bekommt einen richtigen Geschwindigkeitsrausch. So aufregend waren 54 km/h noch nie! Doch das beste sind die ungläubigen Blicke der Fußgänger und Autofahrer, die mir fassungslos hinterherschauen. Liegt es daran, dass ich mit über 50 Sachen an ihnen vorbeirase und dabei völlig gelassen aussehe, oder daran, dass mein Rad mit dem großen Akku und den vielen Kabeln aussieht, als würde ich einen Sprengkörper mit mir rumkutschieren? Ich sehe wirklich fast aus wie ein “Fahrrad-Terrorist”!

Akku und Controller müssen versteckt werden

Mal abgesehen davon, dass das Bike mit dem ganzen Kabelwirrwarr völlig bescheuert aussieht, sind die Konatkte auch nicht alle optimal isoliert. Beim ersten Anflug von Regen oder Spritzwasser von der Strasse droht ein katastrophaler Kurzschluss. Das kann unter keinen Umständen so bleiben, vor allem da es zur Zeit oft regnet und die Strasse meistens feucht ist. Will ich die nächsten Tage noch öfter fahren, führt kein Weg daran vorbei, die Installation irgendwie zu verkleiden.

Die schwarze Plastikfolie wurde um Rahmendreieck und Akku gewickelt und mit Klebeband fixiert.

Die schwarze Plastikfolie wurde um Rahmendreieck und Akku gewickelt und mit Klebeband fixiert.

Eine ordentliche Verkleidung aus Kunststoff oder Aluminium wird Wochen dauern, bis ich sie fertig habe. Vor allem muss ich mir dazu ersteinmal ein paar Pläne zeichnen und den Umbau planen. Das kostet Zeit, doch ich will jetzt fahren. Also mal wieder quick & dirty. Ich hole mir eine schwarze Kunststoffplane, wickle sie um das Rahmendreieck und den Akku é voila: ich kann wieder raus auf die Strasse. Es ist zwar nicht 100% wasserdicht, doch auf jeden Fall Spritzwassergeschützt und auch leichter Nieselregen zwingt einen nicht mehr sofort zur Flucht ins Trockene.

Nun sehe ich auf dem Fahrrad zwar nicht mehr unbedingt aus wie ein Terrorist, aber wirklich cool sieht es noch immer nicht aus. Da muss noch was getan werden.

Fortsetzung folgt…

1 Kommentar »

  1. Hi,

    cooler Eigenbau. Allerdings lässt sich das nicht mehr Pedelec schimpfen. Du kennst sicher auch das eRockit, eine Fahrrad/Motorad Hybrid mit etwas mehr Leistung als deiner.

    Auf jedenfall sehr geiles Teil. Mach doch mal ein Video und stells rein.

    Thomas

    Comment by mrpedelec — 2009/08/25 @ 09:45

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