Projekt Streetfighter Teil 2

Filed under: Eigene E-Bike Projekte — Montag, 31. August 2009

Im ersten Teil von Projekt Streetfighter ging es darum, das Bike aus technischer Sicht zum laufen zu bringen, was schliesslich auch gelungen ist. Mit 54 km/h locker tretend an einer Gruppe Rennradfahrer in ihren „Tour de France Kluft“ vorbeizurasen und deren blöde Blicke zu sehen, ist zwar schon witzig, doch wenn das Rad dabei komplett mit Plastikfolie eingewickelt ist, ist es einfach nicht wirklich cool.

Konzept für eine Rahmenvollverkleidung

Die Silhouette, die das Rad mit der Folie hat, ist ja prinzipiell gar nicht so schlecht, man sollte sie nur etwas verfeinern. Außerdem sollten die Innereien wie Akku und Controller möglichst geschützt vor Wasser sein.

Die schwarze Plastikfolie wurde um Rahmendreieck und Akku gewickelt und mit Klebeband fixiert.

Die schwarze Plastikfolie wurde um Rahmendreieck und Akku gewickelt und mit Klebeband fixiert.

Als nächstes wurden auf dem Papier ein paar Entwürfe für das kommende Design getestet. Aus der platzbedingten Notlösung, den Akku auf dem Oberrohr zu montieren, resultierte das auffälligste Designmerkmal, der Höcker auf dem Oberrohr, der entfernt an die Form einer Motorradtanks erinnert.

Streetfighter Skizze

Die eigenwillige Montage des Akkus sorgt für ein außergewöhnliches Design

Nachdem die Frage der Optik nun geklärt ist, geht es darum, aus welchem Material die Verkleidung für den Rahmen gemacht werden soll. Nach längerem überlegen entschließe ich mich dazu, die Verkleidung aus Glasfaser herzustellen. Dieses Material erscheint mir am geeignetesten. Es lässt sich relativ einfach, ohne Spezialwerkzeug verarbeiten, ist stabil, lackierbar, wasserfest.

Nun muss ich mir noch darüber im klaren werden, aus wievielen Teilen ich dieses Gehäuse herstellen will. Denn natürlich muss sich das Gehäuse für eventuelle Reparaturen oder Tuningmaßnahmen problemlos öffnen lassen. Ich entscheide mich für ein dreiteiliges Gehäuse, zwei Seitenteile, die das Rahmendreieck bedecken und einen Deckel, der über den Akku drüber geht. Mit diesem Deckel wollte ich die Herstellung der Verkleidung auch beginnen, weil mir dieses Teil am kompliziertesten erschien. Ich will schliesslich nicht zwei Drittel der Rahmenverkleidung bauen, um dann festzustellen, dass ich nicht in der Lage bin, das letzte Teil zu fertigen.

Der erste Rückschlag

Um die Form für den Deckel herzukriegen, baue ich mir eine Positivform aus Pappe, die ich anschließend mit Filz bespanne und mit Epoxidharz bestreiche. So weit so gut. Nach dem Harz kommen zwei Lagen Glasfasermatten drüber, die ebenfalls jeweils mit Epoxidharz bestrichen werden. Nachdem alles ausgehärtet ist, stelle ich jedoch fest, dass der Deckel an manchen Seiten etwas schief geworden ist. Das Pappgerüst war nicht stabil genug, und wurde durch das Gewicht des Harzes leicht verformt. Eine Positivform aus Holz oder Styropor wäre vermutlich die bessere Wahl gewesen. Nachdem ich aber keine Lust hatte, nochmal ganz von vorne zu beginnen, versuche ich, die Ungleichheiten mit Glasfaserspachtel auszugleichen und den Deckel noch zu retten.

Ich hätte besser von vorne begonnen. Nach mehreren Tagen spachteln und schleifen stelle ich entsetzt fest, dass der Deckel alleine nun Dank der ganzen Spachtelmasse deutlich über ein Kilo wiegt. Der Deckel fliegt unmittelbar in den Müll. Schliesslich kann ich keine 5 Kilo schwere Verkleidung um den Rahmen bauen. Glasfaser ist damit als Werkstoff für weitere Versuche gestorben.

Der nächste Versuch

Nach einigem Brainstorming, den Rahmen mit Aluminium zu verkleiden. Das Rahmendreieck wird mit Aluminium U-Profilen verstärkt, die ebenfalls eine breite von 80 mm haben, wie das U-Profil, das bereits als Halterung für den Akku verwendet wird. Schnell sind ein paar Meter Aluminium U-Profile bestellt und geliefert. Dann geht es schon los mit vermessen und zuschneiden. Die Profile werden mit ein paar Edelstahlschrauben am Rahmen befestigt und untereinander mit Hartlot stabilisiert. Die Seitenteile werden Anschließend mit 1 mm dickem Alublech verkleidet, welches mit den Profilen verschraubt wird.

Rahmen mit U-Profilen verkleidet

Der Rahmen wird mit U-Profilen verstärkt und mit Alublech verkleidet

Seitenbleche werden mit U-Profilen verschraubt

Die Seitenbleche werden mit den U-Profilen verschraubt. So kann die Verkleidung bei Reparaturen jederzeit geöffnet werden.

Damit sind die kosmetischen Arbeiten abgeschlossen und das Fahren kann beginnen. Fahrberichte und Videos werden im nächsten Teil folgen – und vielleicht auch schon erste Tuning Maßnahmen.

Der Deckel kommt diesmal zum Schluss. Hergestellt wird er aus zwei 1 mm Alublechen, welche zurecht gebogen und miteinander hartverlötet wurden. Zusätzlich wird in den Deckel ein Startknopf eingebaut, welcher den Controller mit dem Akku verbindet. Außerdem wurde eine Laufbuchse für die Sattelstütze mit in den Deckel eingearbeitet, damit die Sattelstütze schön dicht mit dem Deckel abschließt und von dort kein Wasser an den Akku dringt.

Drehmomentstütze für Elektrofahrrad

Die Drehmomentstütze passt genau in die Ausfallenden des Rahmens. Bohrlöcher und Achsöffnung müssen noch gefräst werden.

Dazwischen habe ich noch nach einer etwas stabileren Lösung für meine erste provisorische Drehmomentstütze nachgedacht und einen Satz unauffällige Drehmomentstützen aus 3 mm Edelstahl gefertigt.

Nach ein paar weiteren Tagen des Schleifens, Grundierens und Lackierens ist Projekt Streetfighter ein ganzes Stück weiter. Sämtliche Anbauteile können nun wieder an den Rahmen gebaut werden. Die Elektronik wird wieder angeschlossen. Bis auf den Bremsschlauch der hinteren Magura Bremse werden sämtliche Kabel im Rahmen verlegt. Für den Fall das später eine Scheibenbremse für das Hinterrad nachgerüstet wird, wird der Bremsschlauch dann auch im Rahmen verlegt werden. Ich hatte jedoch keine Lust, die Bremse entlüften zu müssen, deshalb wurde der Schlauch fürs erste außen verlegt.

Das Ergebnis sieht den ersten Skizzen erstaunlich ähnlich und kann sich durchaus sehen lassen. Das Rad ist zwar weiterhin extrem auffällig, doch nicht mehr auffällig hässlich.

Projekt Streetfighter von der Seite. Der Bremsschlauch wurde außen verlegt. Unten über dem Tretlager befindet sich die Ladebuchse.

Projekt Streetfighter von der Seite. Der Bremsschlauch wurde außen verlegt. Unten über dem Tretlager befindet sich die Ladebuchse.

Projekt Streetfighter - Das etwas andere Elektrofahrrad

Projekt Streetfighter - Das etwas andere Elektrofahrrad. Der "Tank" ist das prägende Designelement.

Projekt Streetfighter von vorne

Projekt Streetfighter von vorne

Damit wären die kosmetischen Arbeiten am Rad abgeschlossen und das fahren kann beginnen. Was fahre ich dann überhaupt? Ein Pedelec ist das auf jeden Fall nicht mehr. Kann man es noch als Elektrofahrrad bezeichnen, oder ist es doch schon ein Elektromoped? Egal, die Hauptsache ist, es macht Spaß. Wieviel Spaß es tatsächlich macht, wird im nächsten Teil ausführlich verraten und auch mit ein paar Videos dokumentiert. Vielleicht werden auch schon erste Tuning Maßnahmen durchgeführt. Es bleibt also spannend.